
Die Beträge im Insolvenzantrag sind Quartalsraten, fällig im Oktober. Hochgerechnet geht es um rund 180 Millionen Dollar pro Jahr – und LIV will die Verträge kündigen.
Als der Chapter-11-Antrag von LIV Golf am Dienstagabend öffentlich wurde, stand eine Zahl im Mittelpunkt: 7.472.527 Dollar für Jon Rahm, größter Einzelgläubiger auf der Liste der 30 größten ungesicherten Forderungen. Seitdem ist klarer geworden, was diese Zahl bedeutet. Und was nicht.
Klar ist: Die tatsächliche Gesamtverbindlichkeit gegenüber den Spielern liegt um ein Vielfaches höher als die 45,5 Millionen Dollar, die auf der Liste stehen. Das Kalkül von LIV ist ein anderes. Die Liga setzt darauf, die Spielerverträge im Insolvenzverfahren kündigen zu lassen. Gelingt das, bliebe von den über Jahre zugesagten Garantien nur die aktuell fällige Quartalsrate als feste Forderung übrig. Alles Weitere würde zu einem ungesicherten Anspruch, der im Verfahren voraussichtlich nur zu einem Bruchteil bedient wird.
Die Beträge sind Quartalsraten, fällig im Oktober
Mehrere LIV-Spieler haben gegenüber dem Branchenportal Flushing It bestätigt, dass die im Antrag aufgeführten Summen die Quartalsraten aus ihren „Player Participation Agreements“ sind, die im Oktober zur Zahlung fällig gewesen wären, nicht der Wert ihrer Verträge. Die Financial Times, die den Antrag ebenfalls ausgewertet hat, beschreibt die Zahlen als Verpflichtungen von LIV für das dritte Quartal 2026. Das erklärt die Lücke zu den Summen, die seit Wochen kursieren: Rahm sollen aus seinem 300-Millionen-Dollar-Vertrag noch mehr als 100 Millionen Dollar zustehen, seine Garantiezahlungen laufen über 2026 hinaus.
Die Quartalslogik lässt sich mit den Berichten abgleichen. Vier Raten von 7,47 Millionen ergeben rund 30 Millionen Dollar pro Jahr. Bei mehr als 100 Millionen Dollar Restvolumen entspräche das gut drei Jahren Restlaufzeit, was zu einem Ende 2023 geschlossenen Mehrjahresvertrag passt. Für die Liga insgesamt heißt das: Die 14 Spieler auf der Liste haben zusammen 45,5 Millionen Dollar für ein Quartal beansprucht, hochgerechnet rund 182 Millionen Dollar im Jahr, allein für die garantierten Zahlungen an diese 14 Profis.
Die Hochrechnung: Was die Quartalsraten über die Verträge verraten
| Spieler | Offene Quartalsrate (Antrag) | Hochgerechnet pro Jahr (×4) | Vertragslage laut Berichten |
|---|---|---|---|
| Jon Rahm | 7.472.527 $ | 29,9 Mio. $ | Vertrag läuft über 2026 hinaus; laut FT/Front Office Sports noch über 100 Mio. $ aus 300-Mio.-Deal offen |
| Bryson DeChambeau | 5.769.231 $ | 23,1 Mio. $ | Vertrag endet nach der Saison 2026; verhandelte zuletzt über Verlängerung |
| Dustin Johnson | 5.489.011 $ | 22,0 Mio. $ | Anfang 2026 mehrjährig verlängert; Forderung von LIV bestritten |
| Cameron Smith | 4.835.165 $ | 19,3 Mio. $ | |
| Adrian Meronk | 4.436.813 $ | 17,7 Mio. $ | |
| Tyrrell Hatton | 3.373.626 $ | 13,5 Mio. $ | |
| Bubba Watson | 3.324.389 $ | 13,3 Mio. $ | |
| Abraham Ancer | 2.651.099 $ | 10,6 Mio. $ | |
| Byeong Hun An | 1.811.011 $ | 7,2 Mio. $ | |
| Brooks Koepka | 1.681.279 $ | 6,7 Mio. $ | im Antrag nur „Vereinbarung“, kein Spielervertrag; spielt 2026 wieder auf der PGA Tour |
| Caleb Surratt | 1.331.117 $ | 5,3 Mio. $ | |
| Joaquin Niemann | 1.307.692 $ | 5,2 Mio. $ | |
| Lucas Herbert | 1.012.205 $ | 4,0 Mio. $ | |
| Tom McKibbin | 973.110 $ | 3,9 Mio. $ |
Quartalsrate: Official Form 204 im Chapter-11-Antrag (8. September 2026). Jahreswert: Golf-Post-Rechnung unter der Annahme gleichmäßiger Quartalsraten, keine Angabe aus dem Antrag. Vertragslage: Financial Times, Front Office Sports, CBS Sports.
Die Hochrechnung hat Grenzen. Verträge können ungleiche Raten, Antrittsprämien oder leistungsabhängige Anteile enthalten, und bei zwei Spielern hat LIV die Forderung mit Vermerken versehen: DeChambeaus Anspruch gilt als bedingt, Dustin Johnsons als bedingt, nicht beziffert und bestritten. Bei Brooks Koepka, der die Liga vor der Saison 2026 in Richtung PGA Tour verlassen hat, nennt der Antrag nicht den Spielervertrag, sondern nur eine „Vereinbarung“, vermutlich eine Auflösungsregelung. Die Reihenfolge der Liste ist trotzdem aufschlussreich: Sie zeigt, wer bei LIV 1.0 die höchsten Garantien hatte, von Rahm über DeChambeau und Johnson bis zu Adrian Meronk, dessen Rate mit 4,4 Millionen Dollar über der von Tyrrell Hatton liegt.
LIV will die Verträge vom Gericht kündigen lassen
Die Spieler erfuhren von dem Antrag durch eine lange Nachricht von CEO Scott O'Neil im Gruppenchat der Liga, wie Flushing It berichtet. Der entscheidende Absatz darin: Im Zuge des Verfahrens werde LIV die „Altverpflichtungen von LIV Golf 1.0“ angehen und dafür beim Gericht die Genehmigung beantragen, die bestehenden Spielerverträge zurückzuweisen. Die Anwälte seien noch in dieser Woche vor Gericht, es handle sich um einen „prozeduralen Schritt“, der parallel zu den laufenden Gesprächen mit den Spielern laufe. Genau darauf baut LIVs Rechnung auf: Gelingt die Zurückweisung, steht in den Büchern der Liga nur noch die fällige Quartalsrate, nicht der Restwert der Verträge. Rahm hatte den Gruppenchat laut dem Bericht bereits am 9. August verlassen, vor dem Saisonfinale in Indianapolis.
Im US-Insolvenzrecht ist die Zurückweisung laufender Verträge Standard. Die Folge für die Spieler: Aus dem Vertrag wird eine ungesicherte Schadensersatzforderung, die im Verfahren neben allen anderen Gläubigern steht. Wie hoch sie ausfällt, ist offen. Werden die Spielerverträge wie Arbeitsverträge behandelt, deckelt das Gesetz solche Forderungen auf die Vergütung eines Jahres plus die bereits fälligen Beträge. Ob das auf Profis zutrifft, die als selbstständige Unternehmer über eigene Gesellschaften unter Vertrag stehen, wird das Gericht klären müssen. Und selbst eine anerkannte Forderung ist kein Geld: Was ungesicherte Gläubiger am Ende erhalten, entscheidet der Sanierungsplan.
Wenige Cent pro Dollar
Wie die Quote aussehen könnte, hatte die Financial Times schon vor dem Antrag beschrieben: LIV habe Spielern mit Garantien über 2026 hinaus Vergleichsangebote gemacht, die nur wenigen Cent je Dollar entsprächen. Drei Wege standen demnach zur Wahl: den Vergleich annehmen und bei der neuen Liga mitmachen, den Vergleich annehmen und gehen, oder ablehnen und die Forderung als ungesicherter Gläubiger im Verfahren verfolgen. Als Gegenleistung stellt LIV den Spielern Anteile an der reorganisierten Liga in Aussicht, aus Spielerschulden sollen Spieleranteile werden. Die BBC berichtet, dass niemand verpflichtet ist, bei LIV 2.0 zu unterschreiben, unabhängig von bestehenden Mehrjahresverträgen.
Eine Zahl aus dem Antrag passt dazu auffällig gut: Der saudische Staatsfonds PIF stellt für das Verfahren einen Kredit von bis zu 49,6 Millionen Dollar bereit, kaum mehr als die 45,5 Millionen Dollar, die die 14 Spieler für ein einziges Quartal beanspruchen. Was sonst noch im Antrag steht, lesen Sie hier.
Wer bleibt?
Flushing It zitiert mehrere Spieler, die mit der Liga abgeschlossen hätten, und hält es für schwierig, das angepeilte Feld von 75 Spielern für LIV 2.0 zu füllen; als Saisonauftakt kursiere ein Turnier in Mexiko im Februar. Rahm selbst hatte zuletzt erklärt, er habe einen Vertrag mit LIV 1.0, den er „mehr als bereit“ sei zu erfüllen. Ob er ihn noch erfüllen darf, entscheidet in den kommenden Wochen das Gericht in New Jersey.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt und redaktionell geprüft.
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